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Der Berg - mein spiritueller Lehrer

Aktualisiert: 4. Nov.



Ich stehe am Fusse des Berges. Hier lasse ich die Geborgenheit der Menschen hinter mir.


Ich steige auf. Bald finde ich keine Bäume mehr die mir Halt geben könnten, und so müssen meine eigenen Wurzeln tiefer und tiefer reichen. Nach und nach nimmt mir der Berg alle Deckung vor dem Wind des Lebens. Wenn ich nicht lerne, selbst zu stehen falle ich.


Ich steige auf. Und auch wenn ich zeitweise festhalte, der Berg und die Anstrengung verhilft mir zur Einsicht, was wirklich wichtig ist, und was nicht. Immer wieder darf ich Ballast abwerfen - Ballast physischer, mentaler und emotionaler Natur.


Alles, was ich tue, scheint wie eine emsige Ameise im Unterholz. Alles, was ich denke ist flüchtig wie Nebel, der durch den lichten Wald streift. Alles, was ich fühle ist vergänglich wie Tautropfen am kühlen Morgen. Es ist vergänglich - und so lasse ich immer wieder los.


Ich steige auf. So wie der Berg meinen Pfad bestimmt, so bestimmt die Seele, welchen Lebensweg ich gehe, welche Erfahrung mir für dieses Leben zugänglich ist.


Ich kann dagegen ankämpfen. Ich kann mich verschliessen. Ich kann mich abwenden.


Ich kann mich hingeben. Ich kann vom "sollte", "hätte" und "wäre" ablassen und mich dem anvertrauen, was ist. Hier, in diesem Moment, wird er erst deutlich sichtbar: der nächste Schritt.


Ich steige auf. Es geht nur noch um den nächsten Schritt. Nun gehe ich ihn mit Bedacht - schliesslich könnte es der letzte sein.


Je länger ich gehe, desto stiller werde ich. Mir scheint, ich werde selbst zum Berg, und er offenbart sich als mein tiefster, innerster Kern.


Der Berg ist der Boden meiner Seele. Er lehrt mich - sobald ich mich öffne für das, was da ist. Und zu lauschen beginne.


Immer weiter steige ich auf, bis ich am höchsten Punkt ankomme. Alles, was ich nicht mehr brauche, habe ich zurück gelassen. Hier muss ich nichts mehr tun. Zum ersten Mal erblicke ich die Welt so, wie sie wirklich ist. Es atmet von selbst. Ich staune.


Wie weit sie ist, diese Welt! Wie schön! Nun kann ich sehen, was mir mein Lehrer zu zeigen versucht:


Ich bin diese Welt. Ich bin diese Weite. Ich bin diese Schönheit. Mit einem Mal fühle ich mich frei.


Und weil ich frei bin, steige ich wieder hinab. Auf dem Weg nach unten sammle ich meine zurückgelassenen Gefühle, Gedanken und Dinge wieder ein.


Sie haben sich nicht verändert. Aber nun weiss ich, dass ich sie nicht bin.


Und was lernst du von der Natur?


Ich freue mich über deine Gedanken in der Kommentarspalte!


Herzlich,

Andrea


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