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Im Fluss des Lebens

Aktualisiert: 26. Juni


@ unsplash

Schau, da fliesst der Fluss des Lebens!

Siehst du ihn? Fühlst du ihn?


Er ist mein ewiger Begleiter, mein Führer, mein weisester Freund, das Zuhause meines Herzens. Ihm alleine bin ich bereit, mein Leben voll und ganz anzuvertrauen.


Stets freundlich spricht er zu mir, manchmal leise flüsternd, andermal mächtig tosend, dann wieder lieblich gurgelnd, doch seine Botschaft ist und bleibt dieselbe. Er sagt:


"Ich habe eine Geschichte für dich. Komm, und lausche mir aufmerksam. Du, Mensch, bist immerzu eingebettet. Ob du es fühlst oder nicht, du bist gehalten von der Unendlichkeit des Seins.


Und du, kleiner Mensch, bist die grosse Kraft, auf der die gesamte Schöpfung beruht. Und deine, sowie auch die Reise aller anderen Wesen, ist mir heilig!"


Der Fluss des Lebens lehrt mich. Von ihm weiss ich, es stehen mir alle Wege offen. Von ihm weiss ich auch, dass ich bereits tausende Welten kennenlernen durfte. Heute wähle ich erneut. Heute wähle ich den einen Weg, von dem mein Herzen diesmal träumt:


Es ist der Weg, der die verstreuten Anteile der Seele der Welt wieder vereint.


Ich fühle es tief in mir. Diesmal bin ich gekommen, um zu vereinen. Im grossen Traum meines Herzens sind wir ein Ganzes, ein Ozean, eine grosse Einheit, eine einzige Welt, in der sich das Licht der Sonne hell und klar widerspiegelt.


Um hierher zu finden, durfte ich abertausend Leben durchströmen. Manchmal fühle ich mich müde. Dennoch werde ich weiter fliessen, denn noch darf ich durch Erfahrung wachsen, reifen und allmählich reich an Einsicht werden. Lernen darf ich, lernen, einfach zu sein.


Auf dass mein Traum einst bereit sein wird, geboren zu werden.


Bis dahin aber vertraue ich mich, mehr und mehr, dem ewig Fliessenden an. Ich lausche dem Bach, und er lehrt mich Freude. Ich lausche dem See, und er lehrt mich Stille. Ich lausche Ebbe und Flut, und sie lehren mich zu tanzen. Ich lausche dem Ozean, und er lehrt mich zu ruhen.


Ich betrachte mich selbst. Manchmal halte ich fest, manchmal lasse ich los, und dann wieder, gebe ich mich, tiefer vertrauend, hin.


Im Fluss erkenne ich allmählich die Kraft, die ich bin. Sie dient einzig und allein dem Wohl aller Wesen, und wenn immer es in meiner Macht steht, will ich sie bewusst dafür einsetzen, das Leben zu nähren. Ansonsten bleibe ich, einfach, präsent, still, achtsam. Ich bezeuge.


Hin und wieder verliere ich mich in der Erde, in tiefen Wäldern oder gar dunklen Höhlen. In der Dunkelheit, lerne ich, kann ich erst das Licht sehen, welches mich jederzeit umgibt. Und erst im Nichts erkenne ich meine wahre Gestalt.


So lerne ich, loszulassen. Auch meine Geschichte, die Vergangenheit, und die Zukunft. Ich lasse los, immer und immer und immer wieder, und wage es, zu sterben – damit ich lebendig sein kann.


Ja, Fluss des Lebens, ich lasse zu, dass dir mein Dasein in diesem Moment heilig ist. Und ja, ich anerkenne, dass das Leben selbst bereits vollkommen ist. Ja, auch ich. Ja, auch ich bin heilig! Heute, und hier und jetzt.


Mit allen Gedanken und allen Taten, all dem Schmerz, all der Angst, den Tränen und der Wut. Und mit all der Freude, der Schönheit, dem unendlich Guten, und der grossen Liebe.


Dem Fluss des Lebens gebe ich mich hin, und so bin auch ich nichts mehr, als ein ewiger Fluss.


Nun sehe ich, ich brauche nichts mehr zu tun.


Es ist alles gut.

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